Gerber

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Die Gerber suchten sich wegen ihres enormen Wasserverbrauchs Städte mit weichem Wasser zur Ansiedlung aus. Wald war wegen der Eichen- oder Fichtenrinde äußerst wichtig, da sie in unserer Region seit jeher als Gerbstoff verwendet wurde. Weil das Leder durch die Rinde eine leicht rötliche Färbung erhielt, wurden die Vertreter dieser Art des Gerbens als „Rotgerber“ bezeichnet.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Schiltach wegen dieser optimalen Voraussetzungen nachweislich 15 Rotgerber- und 5 Weißgerbermeister, heute betreibt nur noch die Familie Trautwein am Ort ihre Sämischgerberei und ist damit im weiten Umkreis die letzte Vertreterin ihrer Zunft.

Ein Gerber ist ein Handwerker, der vorwiegend Häute und Felle von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen zu Leder verarbeitet. Das Gerben ist eines der ältesten Gewerbe.
Lange vor der Zeitenwende waren lederne Gegenstände in Ägypten und bei den Israeliten in Gebrauch. Im Mittelalter war die Produktion von Leder in Vorderasien und Nordafrika sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa, sowohl was die Quantität als auch was die Qualität anbetraf. Erst 1749 wurde die erste Saffianleder-Fabrik im Elsass errichtet. Die Herstellung einzelner Lederarten war in Deutschland lange Zeit einzelnen Regionen oder Städten vorbehalten:

  • Sohlleder in alter Grubengerbung im Rheinland, besonders in Trier, Malmedy (jetzt Belgien)
  • Sohlleder in Schnellgerbung in Norddeutschland, besonders in Hamburg
  • Roßleder in Holstein
  • Lackleder, besonders Lackkalbleder in Worms und Mainz
  • Lackleder für Wagenverdecke in Mülheim an der Ruhr
  • feine Wichskalbleder in Barr im Elsass
  • Kipsoberleder in Backnang
  • farbige Leder in Offenbach, wo heute noch die Lederwarenmesse stattfindet, und im Taunus
  • Glacéleder in Berlin, Magdeburg, Altenburg und München


Vorgehensweise des Gerbers

Ziel des Gerbens ist es, den Fäulnisprozess der Tierhaut zu unterbinden und die Haut in ein möglichst widerstandsfähiges und zum Teil wasserabstoßendes Material zu verwandeln.
Um die Haut auf die Gerbung vorzubereiten, durchläuft sie die Wasserwerkstatt, in deren Verlauf die nicht-ledergebenden Bestandteile (Haare, Unterhautbindegewebe, Fett und unstrukturierte Eiweiße) entfernt werden. Dies geschieht auf chemischem Wege (Weiche, Äscher, Hautaufschluss) und mechanisch (entfleischen, spalten, streichen). Die so genannte Blöße ist damit für die eigentliche Gerbung vorbereitet.

Die Gerbung kann durch Einsatz von pflanzlichen Gerbstoffen (vegetabile Gerbung) oder als Mineralgerbung erfolgen. Bei der pflanzlichen Gerberei (Lohgerberei) werden Eichen- oder Fichtenrinden, Auszüge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- bzw. Rindengerbstoffe eingesetzt. Aus dieser Nutzung entstanden die Lohwälder. Die pflanzlichen Gerbmittel werden in einer Lohmühle gemahlen. Der verwendete Sud wird auch Lohe genannt. Bei der Mineralgerbung werden Chrom- (Chromgerberei) und Alaungerbung (Weißgerberei) unterschieden.

Gerbungstechniken

Alaun-Gerbung

Die Alaungerbung wird bei uns ausschließlich mit Alaunsalz, Kochsalz, Fett, Wasser und Mehl durchgeführt. Die Alaungerbung ist wohl eine der ursprünglichsten Gerbungen, weil alle eingesetzten Stoffe in der Natur vorkommen. So wird zum Beispiel Alaun in Ungarn aus Salzseen gewonnen und das Fett besteht zum größten Teil aus Schweinefett. Bei dieser Technik fällt kein Abwasser an, da die Felle von Hand auf der Fleischseite, mit einer Mischung der Stoffe, eingerieben werden.

Mimosa-Gerbung

Bei der vegetabilen Gerbung handelt es sich um eine Gerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Arten. Zum einen gibt es Gerbstoffe die aus dem Holz, zum anderen welche die aus der Rinde extrahiert werden. Der Mimosagerbstoff der bei unserer Gerbung zum Einsatz kommt ist ein Rindenextrakt des Akazienbaumes, der in Südafrika und Brasilien in großen Plantagen angebaut wird. Der große Vorteil von Mimosa ist, dass er ständig nachwächst. Die Akazienbäume sind nach ca. 5 Jahren schlagreif, so dass dadurch keine natürlichen Ressourcen berührt werden müssen, wie das bei vielen anderen pflanzlichen Gerbstoffen der Fall ist.

Medizinalgerbung

Relugan ist ein Markenname der BASF, die diesen Gerbstoff entwickelt hat. Die chemische Bezeichnung ist Glutardialdehyd. Dieser Gerbstoff hat die Eigenschaft dass er sich so fest an die Haut bindet, dass er nur noch chemisch abspaltbar ist, weswegen dieser Gerbstoff heute in fast allen Bereichen der Lederindustrie als „Chromersatz“ eingesetzt wird. Der einzige Nachteil von Relugan ist die Eigenschaft die Wolle gelb zu färben, was heute jedoch ein Markenzeichen von Medizinalfellen ist.


Gerberei heutzutage

Noch heute wird die Gerberei in Schiltach bei der Gerberei Trautwein praktiziert.

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