Flößer
Aus Schiltacher Stadtwiki
Der Flößer ist ein mittlerweile ausgestorbener Berufsstand, der eng mit dem Holzfäller und Köhler verbunden war. Seine Aufgabe bestand darin die gefällten Baumstämme mittels eines improvisierten Floßes auf Flüssen oder einzeln durch hierfür angelegte Floßgräben kontrolliert bis zu den Brettmühlen, Köhlereien oder Holzplätzen zu treiben.
Schiltach ist bekannt als die Stadt des Fachwerks, der Flößer und der Gerber.
Das Vorhandensein der Flüsse Kinzig und Schiltach mit ihren zahlreichen Seitenbächen und den bewaldeten Hängen stellte schon in früheren Zeiten einen Standortvorteil für zwei Gewerbearten dar: Die Gerberei und die Flößerei.
Besonders die Gerber suchten sich wegen ihres enormen Wasserverbrauchs Städte mit weichem Wasser zur Ansiedlung aus. Der Wald war wegen der Eichen- oder Fichtenrinde äußerst wichtig, da sie in unserer Region seit jeher als Gerbstoff verwendet wurde. Weil das Leder durch die Rinde eine leicht rötliche Färbung erhielt, wurden die Vertreter dieser Art des Gerbens als „Rotgerber“ bezeichnet.
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Schiltach wegen der optimalen Voraussetzungen nachweislich 15 Rotgerber- und 5 Weißgerbermeister, heute betreibt nur noch die Familie Trautwein am Ort ihre Sämischgerberei und ist damit im weiten Umkreis die letzte Vertreterin ihrer Zunft.
Wasser und Holzreichtum waren natürlich auch ideale Bedingungen um Holzhandel zu betreiben, was zur Zeit des Aufblühens der großen mittelalterlichen Stadt Straßburg den Anstoß zur Kinzigflößerei gab. Das Holz aus den hiesigen Wäldern wurde dort nicht nur dringend als Baustoff und Brennholz benötigt, sondern wurde teilweise auch auf dem Rhein weiter nach Holland „verflößt“, wo es im Schiffsbau Verwendung fand. Besonders stattliche Bäume ab einer vorgegebenen Mindestlänge wurden in Schiltach daher lange Zeit als „Holländer“ bezeichnet.
Die Schiltacher Schifferschaft war ein wohlorganisiertes Transportunternehmen und genoss gemeinsam mit den Wolfacher Kollegen behördlichen Schutz, damit nicht jeder Waldbauer seine Ware auf eigene Faust talabwärts verflößte und kein ruinöser Preiswettbewerb entstand. Der Holz-Handel war somit wunschgemäß den „Städtern“ vorbehalten und gab ihnen die Möglichkeit des Broterwerbs, die bäuerlichen Waldbesitzer des Umlandes waren auf ihr eigentliches Gewerbe eingeschränkt.
Nachdem die Bahn die Flößerei als Transportmittel abgelöst hatte, war es lange Zeit still um das Traditionsgewerbe. Erst 1998 wurde wieder eine Schiltacher Flößergruppe ins Leben gerufen, die das Handwerk am Leben erhalten möchte und sich die Bewahrung des einst wichtigsten Wirtschaftszweigs der Stadt auf die Fahnen geschrieben hat. Seither trägt Schiltach seinen Beinamen wieder zu Recht: „die Stadt des Fachwerks, der Flößer und der Gerber“.
Interessante Infos zur Flößerei gibt es im Schüttesägemuseum und auf der Lehwiese zu sehen, seit Juni 2007 steht außerdem ein Schaufloß neben dem Parkdeck "Schüttesäge".
Vom 21. bis 24. Juni 2007 fand in Schiltach die Hauptversammlung der Internationalen Flößervereinigung statt. Hierzu wurden Flößergruppen aus Spanien, Frankreich, Österreich, Italien, Slowenien, Tschechien, Polen, Rumänien, den Baltischen Staaten, Finnland, Schweden und verschiedene Gruppen aus Deutschland begrüßt. Fotos dieser Veranstaltungen gibt es auf der Homepage der Stadt Schiltach ([1]) in der Rubrik "Bildergalerien" zu sehen.
Am 20. Oktober 2007 erfolgte die offizielle Verleihung des Titels "Flößerstadt" durch die Europäische Flößervereinigung an die Stadt Schiltach. Schiltach ist damit die erste Stadt, die diesen Titel auch ganz offiziell tragen darf.
